Ob Sie Ihre Firma verkaufen oder schließen sollten, hängt von Faktoren wie Unternehmenswert, Marktlage, persönlichen Zielen und steuerlichen Auswirkungen ab. Ein Verkauf ist meist vorzuziehen, wenn das Unternehmen profitabel ist und Nachfrage besteht. Eine Schließung kommt in Betracht, wenn kein Käufer gefunden wird oder die Verbindlichkeiten den Wert übersteigen.
Viele Unternehmer stehen irgendwann vor einer schwierigen Frage: Soll ich meine Firma verkaufen oder schließen? Ob Altersgründe, gesundheitliche Probleme, fehlende Nachfolger oder schlicht der Wunsch nach einer Veränderung — die Entscheidung hat weitreichende Folgen für Sie persönlich, Ihre Mitarbeiter und Ihre Geschäftspartner.
Dieser Leitfaden hilft Ihnen, die richtige Entscheidung zu treffen. Wir vergleichen beide Optionen systematisch und zeigen, welche Faktoren Sie berücksichtigen sollten.
Wann ist ein Verkauf die richtige Wahl?
Ein Unternehmensverkauf ist in den meisten Fällen die wirtschaftlich sinnvollere Option. Folgende Indikatoren sprechen für einen Verkauf:
Finanzielle Indikatoren:
- Das Unternehmen ist profitabel oder zumindest cashflow-positiv
- Es existiert ein positiver Substanzwert (Vermögen übersteigt Verbindlichkeiten)
- Es gibt übertragbare Werte: Kundenbeziehungen, Marke, Know-how, Patente
- Wiederkehrende Umsätze oder langfristige Verträge vorhanden
Marktindikatoren:
- Es gibt Nachfrage nach Unternehmen in Ihrer Branche
- Strategische Käufer suchen Zukäufe zur Konsolidierung
- Private-Equity-Investoren sind in Ihrem Segment aktiv
- Die Branche wächst oder ist stabil
Persönliche Indikatoren:
- Sie haben ausreichend Vorlaufzeit (mindestens 6-12 Monate)
- Die Mitarbeiter und deren Arbeitsplätze liegen Ihnen am Herzen
- Sie möchten einen finanziellen Gegenwert für Ihr Lebenswerk erzielen
- Die Kunden sollen weiterhin gut betreut werden
Verkauf als Standardoption
In den allermeisten Fällen lohnt sich der Versuch eines Verkaufs — selbst bei kleineren oder weniger profitablen Unternehmen. Ein Käufer bezahlt nicht nur für die heutigen Gewinne, sondern auch für Kundenbeziehungen, Know-how, Standort und qualifizierte Mitarbeiter. Oft ist der Marktwert höher als erwartet.
Wann ist eine Schließung unvermeidbar?
Eine Firmenaufgabe kommt in Betracht, wenn bestimmte Voraussetzungen vorliegen, die einen Verkauf unmöglich oder unwirtschaftlich machen:
Finanzielle Gründe:
- Das Unternehmen ist dauerhaft verlustbringend ohne Sanierungsperspektive
- Die Verbindlichkeiten übersteigen den Vermögenswert erheblich (Überschuldung)
- Es bestehen erhebliche Haftungsrisiken, die kein Käufer übernehmen würde
- Die notwendigen Investitionen für eine Fortführung sind unverhältnismäßig hoch
Strukturelle Gründe:
- Das Geschäftsmodell ist durch Disruption oder Marktveränderungen überholt
- Wesentliche Kunden oder Lieferanten sind unwiederbringlich verloren
- Genehmigungen oder Lizenzen sind nicht übertragbar
- Es gibt keine Käuferinteressenten trotz intensiver Suche
Persönliche Gründe:
- Akute gesundheitliche Probleme erfordern sofortiges Handeln
- Es besteht keine Bereitschaft für eine Übergangsphase
- Die emotionale Belastung eines längeren Verkaufsprozesses ist nicht tragbar
Vor der Schließung prüfen
Bevor Sie sich zur Schließung entscheiden, lassen Sie die Verkaufsmöglichkeit professionell prüfen. Viele Unternehmer unterschätzen den Wert ihrer Firma. Selbst Unternehmen mit geringen Gewinnen können für MBI-Kandidaten oder strategische Käufer attraktiv sein — etwa wegen der Mitarbeiter, Standorte oder Genehmigungen.
Die Entscheidungsmatrix: Verkaufen vs. Schließen
| Faktor | Verkaufen | Schließen | |--------|-----------|-----------| | Finanziell | Verkaufserlös (oft mehrfaches Jahresgewinn) | Liquidationserlös (oft nur Substanzwert, abzgl. Kosten) | | Mitarbeiter | Arbeitsplätze bleiben erhalten (§ 613a BGB) | Kündigungen erforderlich, Sozialplan möglich | | Kunden | Weiterbetreuung gesichert | Kunden müssen Alternativen finden | | Zeitrahmen | 6-18 Monate | 12-24 Monate (bei GmbH-Liquidation) | | Kosten | M&A-Berater, Anwalt, Notar (5-10% des Verkaufspreises) | Liquidator, Abwicklungskosten, Sozialplan | | Steuerlich | Veräußerungsgewinn (Teileinkünfte oder § 8b KStG) | Liquidationsgewinn, Aufdeckung stiller Reserven | | Emotional | Lebenswerk wird fortgeführt | Endgültiger Abschluss | | Reputation | Positiv (erfolgreiche Übergabe) | Neutral bis negativ (je nach Umständen) |
Verkaufsprozess im Überblick
Wenn Sie sich für einen Verkauf entscheiden, durchläuft der Prozess folgende Phasen:
- Vorbereitung: Unternehmensbewertung, Verkaufsunterlagen erstellen, M&A-Berater beauftragen
- Käufersuche: Vertrauliche Ansprache potenzieller Käufer, Teaser und Informationsmemorandum
- Due Diligence: Sorgfaltsprüfung durch den Käufer (4-8 Wochen)
- Verhandlung: Letter of Intent, Kaufvertrag, Garantien und Bedingungen
- Closing: Unterschrift, Kaufpreiszahlung und Übergabe
Den gesamten Verkaufsprozess haben wir in unserem ausführlichen Leitfaden Unternehmen verkaufen: Der komplette Leitfaden detailliert beschrieben.
Schließungsprozess einer GmbH
Die Liquidation einer GmbH ist ein formal geordneter Prozess, der gesetzlich vorgeschrieben ist und mehrere Phasen durchläuft:
Phase 1: Gesellschafterbeschluss
- Beschluss zur Auflösung der Gesellschaft durch die Gesellschafterversammlung
- Notwendige Mehrheit: 75% der abgegebenen Stimmen (§ 60 GmbHG), sofern der Gesellschaftsvertrag nichts anderes bestimmt
- Bestellung eines oder mehrerer Liquidatoren (in der Regel die bisherigen Geschäftsführer)
- Notarielle Beurkundung des Auflösungsbeschlusses
Phase 2: Liquidation (Abwicklung)
- Anmeldung der Auflösung beim Handelsregister
- Bekanntmachung im Bundesanzeiger mit Aufforderung an Gläubiger, ihre Forderungen anzumelden
- Sperrjahr: Mindestens 12 Monate Wartefrist nach Bekanntmachung (§ 73 GmbHG)
- Einziehung ausstehender Forderungen
- Begleichung aller Verbindlichkeiten
- Verwertung des Gesellschaftsvermögens (Verkauf von Anlagevermögen, Warenbestand, etc.)
- Kündigung aller Verträge (Mitarbeiter, Miete, Leasing, Versicherungen)
- Erstellung der Liquidationseröffnungsbilanz und Jahresabschlüsse
Phase 3: Löschung im Handelsregister
- Verteilung des Restvermögens an die Gesellschafter (Schlussbilanz)
- Anmeldung der Beendigung der Liquidation beim Handelsregister
- Löschung der Gesellschaft aus dem Handelsregister
- Aufbewahrung der Bücher und Unterlagen für 10 Jahre
Zeitrahmen beachten
Die Liquidation einer GmbH dauert mindestens 12 Monate (Sperrjahr). In der Praxis sind 18-24 Monate realistisch, da die Abwicklung aller Vertragsverhältnisse und die Verwertung des Vermögens Zeit erfordert. Bei offenen Rechtsstreitigkeiten kann sich der Prozess weiter verlängern.
Steuerliche Aspekte im Vergleich
Die steuerlichen Konsequenzen unterscheiden sich erheblich — und können ein entscheidender Faktor für Ihre Wahl sein.
Beim Verkauf
- Privatperson: Teileinkünfteverfahren (60% steuerpflichtig), effektive Belastung ca. 25-28%
- Über Holding: 95% steuerfrei nach § 8b KStG, effektive Belastung ca. 1,5%
- Freibetrag: 9.060 € bei Veräußerungsgewinnen (ab 55 Jahren, einmalig)
- Fünftelregelung kann die Steuerprogression mildern
Bei der Schließung (Liquidation)
- Aufdeckung und Versteuerung aller stillen Reserven
- Liquidationsgewinn wird wie Veräußerungsgewinn besteuert
- Ausschüttungen an Gesellschafter unterliegen der Abgeltungsteuer (25%)
- Mögliche Grunderwerbsteuer bei Immobilien im Betriebsvermögen
- Laufende Betriebsausgaben während der Liquidation absetzbar
Steuerberater hinzuziehen
Die steuerlichen Auswirkungen einer Firmenschließung oder eines Verkaufs sind komplex und individuell. Fehler können schnell fünf- bis sechsstellige Beträge kosten. Ziehen Sie in jedem Fall einen auf Unternehmenstransaktionen spezialisierten Steuerberater hinzu — idealerweise bevor Sie eine endgültige Entscheidung treffen.
Alternative: Stille Liquidation über Verkauf
Eine interessante Alternative zur formellen Schließung ist die sogenannte "stille Liquidation über Verkauf": Statt das Unternehmen formal aufzulösen, verkaufen Sie den GmbH-Mantel (mit oder ohne operatives Geschäft) an einen spezialisierten Käufer. Das kann vorteilhaft sein, wenn:
- Die GmbH über Verlustvorträge verfügt, die ein Käufer nutzen kann
- Genehmigungen oder Lizenzen auf die GmbH lauten
- Der formelle Liquidationsprozess zu langwierig oder kostspielig wäre
Soziale Verantwortung: Was wird aus den Mitarbeitern?
Unabhängig von Ihrer Entscheidung tragen Sie Verantwortung für Ihre Mitarbeiter:
Beim Verkauf:
- Alle Arbeitsverhältnisse gehen automatisch auf den Käufer über (§ 613a BGB)
- Kündigungen wegen des Betriebsübergangs sind unwirksam
- Sie können im Kaufvertrag Arbeitsplatzgarantien und Standortsicherung verhandeln
Bei der Schließung:
- Kündigungen müssen sozial gerechtfertigt sein (§ 1 KSchG)
- Bei mehr als 20 Mitarbeitern: Sozialplan und Interessenausgleich mit Betriebsrat
- Massenentlassungsanzeige bei der Agentur für Arbeit erforderlich (§ 17 KSchG)
- Kündigungsfristen beachten (bis zu 7 Monate bei langer Betriebszugehörigkeit)
- Abfindungen: Häufig 0,5-1,0 Monatsgehälter pro Beschäftigungsjahr
Entscheidungshilfe: 5 Fragen, die Sie sich stellen sollten
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Gibt es einen Markt für mein Unternehmen? Informieren Sie sich, ob vergleichbare Firmen in Ihrer Branche gehandelt werden. Ein M&A-Berater kann eine erste Einschätzung geben.
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Wie viel Zeit habe ich? Ein Verkauf braucht 6-18 Monate. Wenn Sie unter extremem Zeitdruck stehen, könnte eine Schließung die realistischere Option sein.
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Was ist mir wichtiger: maximaler Erlös oder schneller Abschluss? Ein Verkauf bringt in der Regel deutlich mehr, erfordert aber Geduld und Engagement.
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Wie wichtig ist mir die Zukunft meiner Mitarbeiter? Bei einem Verkauf sind die Arbeitsplätze geschützt. Bei einer Schließung verlieren alle ihre Stelle.
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Kann ich die emotionale Belastung eines Verkaufsprozesses tragen? Due Diligence, Verhandlungen und die Übergangsphase erfordern Energie und Nervenstärke.
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